DIE HYMNEN ZUM HOCHFEST DES HL. LUDGERUS
aus den Eigenfeiern des Bistums Münster
an die klassische Schreibweise angepaßt
Das mittelalterliche Ludgerus-Offizium kennt keine Hymnen, ein Kennzeichen für dessen Alter und Würde.
Auf Bitten von Bischof Clemens August von Bayern (Bischof von Münster 1719-1761) genehmigte mit Billigung von Papst Innocenz XIII. die Ritenkongregation dieses Offizium am 31. Mai 1721. Es wurde gedruckt zu Paderborn (o.J. ?) bei Johann Conrad Dahmer. Darin sind die Hymnen „Praesulem laetis beatum“ zur 1. Vesper, „Astra, tellus, aër, unda“ zur Matutin, „Lux serena, lux decora“ zu den Laudes und „Sancta Vesper festa claudit“ zur 2. Vesper verzeichnet.
Das Breviarium Monasteriense von 1785 sieht für das Ludgerus-Offizium allein den Hymnus „Praesulem laetis beatum“ vor, und zwar zur Ersten Vesper.
Der „Hymnus“ „Inclyte psallámus omnes“ ist die Sequenz der Messe zum Ludgerusfest (spätestens 15. Jh.). Die Herkunft des Hymnus „Lumen ætérnum moderátor temporum“ ist unbekannt.
Erste Vesper
(Übersetzung: Abtei Gerleve)
Prǽsulem lætis beátum
concinámus méntibus,
qui Deum, Deíque Natum
prædicávit géntibus;
Rhenus, Albis et Visúrgis
quas rigant, et Amasis.
Den seligen Bischof laßt uns frohen Herzens besingen, der Gott und den Sohn Gottes den Völkern verkündet hat dort, wo Rhein, Elbe, Weser und Ems fließen.
Copiósis atque claris
éditus paréntibus,
cuncta Christi lætus aris
donat, ac egéntibus;
templa fundat, atque mundat
quinque Jesu fóntibus.
Er, der Sohn von reichen und berühmten Eltern, schenkte freudig alles dem Altar Christi und den Bedürftigen; er gründete Tempel und reinigte sie durch die fünf Quellen Jesu.
Hic avítae sancta vitæ
verba nobis édidit;
et bonórum vera morum
norma nobis éxstitit.
Quisque credat, nec recédat
a fide, quam trádidit.
Er überlieferte uns die heiligen Worte des ererbten Lebens und die wahren Gesetze guter Sitten zeigte er uns. Jeder glaube und weiche nicht ab vom Glauben, den er uns gab.
Sic ad astra sublevábit
nos patérna cláritas;
sic avérni liberábit
igne Christi cáritas,
atque Sancti nos amábit
Spíritus benígnitas.
So wird uns zum Himmel erheben die väterliche Herrlichkeit; so wird uns vom Feuer der Hölle Christi Liebe befreien, und die Güte des Heiligen Geistes wird uns innig lieben.
Glória et honor Deo
usquequáque altíssimo,
una Patri Filióque
atque Sancto Flámini,
quibus laudes et potéstas
per ætérna sǽcula. Amen.
Herrlichkeit und Ehre sei Gott, dem Allerhöchsten, zugleich dem Vater, dem Sohn und dem Tröstergeist; ihm gehört Lob und Macht in alle Ewigkeit. Amen.
Deutsche Übertragung:
Frohen Herzens laßt uns singen
Sankt Ludgerus Preis und Ruhm*,
der einst kam, das Heil zu bringen
und das Licht dem Heidentum.
Ems und Weser, Ruhr und Rhein
sollen seine Zeugen sein.
Edler Sproß vom Friesenstamme
aus erlesenem Geschlecht,
dient er treu dem Gotteslamme,
Christi und der Armen Knecht.
Tempel baut er, drin voll Huld
Jesu Blut tilgt alle Schuld.
Botschaft bringt er uns vom Leben,
das besiegte Grab und Tod
gibt uns Kraft zu heil'gem Streben
nach des Ewigen Gebot.
Nimmer euch vom Glauben kehrt,
den der Hirte uns gelehrt!
Dann führt uns des Vaters Klarheit
in den Himmel einst empor;
und des Sohnes milde Wahrheit
schützt uns vor der Hölle Tor;
und des Geistes Licht erfreut
uns in alle Ewigkeit!
Gott, dem Allerhöchsten, Ehre,
Lobgesang und Herrlichkeit.
Ihm, dem Herrn der Engelheere,
Vater, Sohn und Tröstergeist,
sei die Macht in dieser Zeit
und in alle Ewigkeit. (Amen.)
* Originaltext: "Liudger Lobpreis und Ruhm"
T. W. Hünermann in Senger, Sankt Liudger;
5. Str. Ulrich Terlinden nach dem lateinischen Original
M. Münstersches Gesangbuch "Laudate" 1950, Nr. 218; nach dem Hymnus
Die folgenden Strophen von Gottfried Hasenkamp stammen aus: Laudate. Gebetbuch und Gesangbuch für das Bistum Münster, Münster 1950 u.ö., und sind unter dem Eindruck der Zerstörung des münsterschen Doms im Zweiten Weltkrieg entstanden. Sie können in Münster vor der letzten Strophe des Hymnus eingefügt werden:
Du hast unserm Land verkündet
Gottes Wort, gesandt von Rom,
und auf Petri Fels gegründet
hast du Münsters Hohen Dom.
Diesen Fels, Sankt Liudger,
gib für immer uns zur Wehr.
Fiel im Feuer aus der Wolke
auch die Gottesburg von Stein,
soll der Dom aus deinem Volke
dennoch unverletzlich sein.
Dazu hilf, Sankt Liudger,
weiter uns vom Himmel her.
Leih dem Hirten und der Herde
darum deines Glaubens Mut,
daß die teure Heimaterde
nicht verschlingt die Höllenflut!
Gib dem Schiff, Sankt, Liudger,
Ankergrund am Fels im Meer!
Lesehore
1. In der Nacht (Übersetzung: Abtei Gerleve):
Astra, tellus, aër, unda
coétibus psalléntium,
obvolúta noctis umbra,
dulce dant siléntium:
ergo sursum corda cursum
dírigant canéntium.
Sterne, Erde, Luft und Meer liegen in heiligem Schweigen. Tief ruht der Schatten der Nacht. Wir aber singen Gott das Lob: Also empor die Herzen! Dort droben ist unser Ziel.
Nocte lux septentriónis
præsul hic sanctíssimus
usque prædicatiónis
fractus a labóribus,
astra scandit, atque pandit
dux piis fidélibus.
Wie ein Nordlicht in dunkler Nacht steigt der heilige Bischof müde von der Last der Predigt zu den Sternen empor. So geht er als Führer seiner Gläubigen voran.
Hunc amémus, hunc sequámur
per salútis sémitam,
ut sequéntes provehámur
ad suprémam pátriam,
et perénnem consequámur
morte sancta glóriam.
Laßt uns ihn lieben, ihm folgen auf dem Pfad des Heiles. Wenn wir ihm folgen, finden wir zur himmlischen Heimat und erlangen nach einem seligen Sterben die ewige Herrlichkeit.
Christe, duro fixe ligno
atque vere mórtue,
mortis hora tu malígno
nos ab hoste protége;
mortuósque nos benígno
intuére lúmine.
Christus, ans harte Holz genagelt, bist du wahrhaftig für uns gestorben. Bewahre uns in der Todesstunde vor dem bösen Feind. Und nach dem Tode blicke uns gütig an, erleuchte uns!
Honor Patri sit ac tibi,
Sancto sit Spirítui,
Deo trino sed et uni,
paci, vitæ, lúmini,
nómini præ cunctis dulci
divinóque númini. Amen.
Ehre sei dem Vater und auch dir, Ehre auch dem Heiligen Geist. Ehre Gott, dem Dreieinen, der Friede, Licht und Leben ist. Ehre dem Namen des gütigen Gottes, der über alles heilig ist. Amen.
2. Am Tag:
Inclyte psallámus omnes
Ludgérum venerántes!
Quem clarum et benignum,
clarum cármine dignum
devótis méntibus
recolámus;
Nam præmonstrábat rite
cunctis exémplum vitae
præfúlgens ópere
et sermóne.
Hic Deo diléctus,
præsul clarus et rectus,
virtútum flore florébat
et signórum luce
præfulgébat.
Dǽmones fugávit,
cæcos visu beávit
et claudos gressu donávit
et mórtuos vitæ
reformávit.
Nunc ergo plebs cum clero
corde flágitet sincéro,
ut conregnáre queat
Ludgéro.
O Ludgére, tu dignáre
Christum exoráre,
ut præstet nobis tecum
regnáre.
Laudes
(Übersetzung: Abtei Gerleve)
Lux seréna, lux decóra
solis almi spárgitur,
cum rigéntis orbis ora
igne Christi tángitur;
nox et inférnum facéssunt,
sancta crux extóllitur.
Das heitere Licht, das strahlende Licht der mächtigen Sonne breitet sich aus, da das Feuer Christi die Grenzen der erstarrten Welt berührt. Nacht und Unterwelt fliehen. Das heilige Kreuz wird aufgerichtet.
Hoc sacérdos ille magnus
hisce terris prǽstitit,
vir virtútum, mitis agnus
corda Christo súbdidit,
et lupórum barbarórum
pastor ora cóntudit.
Dies schenkte der Hohepriester Ludger dieser Welt. Als Mann der Tat und doch sanft wie ein Lamm gewann er die Herzen für Christus. Als guter Hirt siegte er über die Barbaren, über die reißenden Wölfe.
Dum cruéntis Cæsar armis
vincit hanc provínciam,
incruéntis sanctus aris
præsul offert hóstiam;
sic parávit atque pavit
primus hanc Ecclésiam.
Der Kaiser besiegte mit blutigen Waffen dieses Land; der heilige Bischof aber bringt auf den Altären das unblutige Opfer dar. So hat er als Erster diese Kirche begründet und genährt.
Hic avítæ sancta vitæ
verba nobis édidit,
et bonórum vera morum
norma nobis éxstitit;
quisque credat, nec recédat
a fide, quam trádidit.
Er schenkte uns die Worte des heiligen Lebens; er stellte auf die wahre Lehre für guten Lebenswandel. Wer glaubt, weiche nicht vom Glauben, den er überlieferte.
Sic ad astra sublevábit
nos patérna cláritas;
sic avérni liberábit
igne Christi cáritas,
atque Sancti nos amábit
Spíritus benignitas.
So wird uns des Vaters Herrlichkeit einst zum Himmel erheben; so wird Christi Liebe uns vom Feuer der Hölle befreien; so wird die Güte des Heiligen Geistes uns liebevoll bewahren.
Glória et honor Deo
usquequáque altíssimo,
una Patri Filióque
atque Sancto Flámini,
quibus laudes et potéstas
per ætérna sǽcula. Amen.
Ruhm und Ehre ohne Ende Gott dem Höchsten sei geweiht; wie dem Vater so dem Sohne und dem Beistand auch, dem Heiligen Geist. Ihm sei Lob und Allmacht durch alle Ewigkeit. Amen.
Oder:
Lumen ætérnum moderátor tempórum,
alme bonórum propagátor ómnium,
palmam invíctis lárgiens militibus
qui te sequúntur laureáti glória,
Festum coléntes tui sacri prǽsulis
laudes devóti tibi Deo cánimus,
cujus obténtu mereámur scándere
aulam præcélsam cum triúmpho múneris.
Te nunc orámus, sancte Dei póntifex:
posce ut nobis tribuátur vénia
cunctis subáctis vitiórum séntibus,
atque perénnis augeátur grátia.
Laus, honor, virtus atque jubilátio
Patri, Natóque, simul et Paráclito,
qui dominátur trinus et unus Deus,
et regnum ejus in ætérna sǽecula. Amen.
Zweite Vesper
Sancta vesper festa claudit
gloriósi prǽsidis,
cujus omnis terra plaudit
ínclytis præcóniis;
aula cæli cum fidéli
plebe certat cánticis.
Jam labóres terminávit
atque clara prǽlia,
regna Christo subjugávit
dura per certámina,
et supréma comparávit
morte sacra prǽmia.
Patris hujus æmulémur
Filii, charísmata,
hoc patróno gloriémur
in fide veríssima,
quam docébit et tenébit
semper hæc Ecclésia.
Hoc piæ divinitátis
præstet alma Trínitas,
sempitérnae Trinitátis
vera præstet Unitas;
nos choris jungat beátis
spes, fides, et cáritas. Amen.
Alternativer Hymnus
zu den großen Horen
Sankt Ludgerus, geistdurchdrungen
du einst zu den Sachsen kamst.
König Karl hatt’ sie bezwungen.
Du dich ihrer Seel’ annahmst:
„Einen Gott in drei Personen
liebet, rufet, betet an!
Er will gnädig bei euch wohnen,
der als Mensch selbst Fleisch annahm.“
Sankt Ludgerus, geistgetrieben
sätest du die heil’ge Saat,
bist bei Gottes Wort geblieben,
der dein Werk gesegnet hat:
Tauftest sie in Christi Namen,
salbtest sie mit seinem Geist.
Die aus Tod und Dunkel kamen,
hüllt das Kleid, das Licht verheißt.
Sankt Ludgerus, geistgegeben
wußtest du die Stund voraus,
da du solltst aus diesem Leben
ziehn in Gottes Vaterhaus.
Siehst, gestützt in deinem Sterben,
auf dein treues Münsterland.
Gottes Segen zu vererben,
hebst du deine Vaterhand.
Sankt Ludgerus, geistgekrönet
gingst du heim ins ew’ge Licht,
schaust dort, was du hier ersehnet.
So vergiß die Deinen nicht.
Hilf, daß wir auf Christi Wegen
gehen, so wie du gelehrt.
Schirm die Kirch’ mit deinem Segen,
daß ihr Lobpreis ewig währt.
Lob dem Vater, Preis dem Sohne,
Ehre sei dem Heil’gen Geist.
Dich, ein Gott im höchsten Throne,
dankbar deine Kirche preist.
Laß uns mit Ludgerus schauen
deine Stadt Jerusalem,
hier an deinem Reiche bauen,
dort im Chor der Heil’gen stehn.
T. Ulrich Terlinden
M. Cyril Taylor, Abbot’s Leigh (z. B. "Glorious things of thee are spoken") - hier mit obigem Text zu hören
oder GL 495 ("Sakrament der Liebe Gottes")
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